Chronik

CHRONIK DER MUSIKGESELLSCHAFT "WALENSEE -QUARTEN"
VERFASST AUS ANLASS DES 
100 - JÄHRIGEN JUBILÄUMSFESTES VOM 26. MAI 2002


Am 10. Juli 2002 jährt sich zum hundertsten Mal der Geburtstag der Musikgesellschaft Walensee-Quarten. Ein Anlass, dankbar zurückzublicken auf die Vereinsgeschichte, auf viele wunderschöne, aber auch auf harte und schwierige Zeiten, welche der Verein erleben durfte und zu überstehen hatte.

Zum Jubiläumsfest "75 Jahre Musikgesellschaft Walensee-Quarten" hat R. Ruesch 1977 eine interessante Chronik verfasst, die für den ersten Teil dieses Rückblicks fast wörtlich übernommen wird.

Leider sind aus der Zeit vor dem Gründungsdatum des Vereins, dem 10. Juli 1902, keine schriftlichen Aufzeichnungen vorhanden. Man ginge jedoch falsch in der Annnahme, es sei vor diesem Datum in den Dörfern Unterterzen, Quarten oder Oberterzen nicht musiziert worden. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es erwiesenermassen eine Blasmusik-Tanzkapelle, welche zu den verschiedensten Anlässen musizierte. 

Der mündlichen Überlieferung nach soll jene Blaskapelle einst an einem Musikfest in Weesen teilgenommen haben. Den Kommentar zu jenem Gastspiel gab der damalige Dirigent der Harmoniemusik Glarus ab, als er zum Spiel der wackeren Mannen bemerkt haben soll: "Ihr händ no nid ämal ä so schlächt gschpielt; ihr sind ämäl mitänander färtig wordä." 

Am 10. Juli 1902 wurde der Grundstein zur heutigen "Musikgesellschaft Walensee", Quarten, gelegt. Die zwölf Gründer, nämlich,
 
            Freitag Andreas 
            Pfiffner Lorenz
            Gätzi Albert 
            Ruesch Kaspar
            Gätzi Reinhold 
            Scherrer Karl
            Giger Eugen 
            Schrepfer Georg
            Giger Otto 
            Walser Johann
            Pfiffner Kaspar 
            Zeller Johann

legten dem neugegründeten Verein in den Statuten ein hohes Ideal zu Grunde. So wurde der Zweck der Gesellschaft wie folgt umschrieben: 

    a) Ausbildung und Veredlung der Musik und grössere Verbreitung derselben 
    b) Förderung des gesellschaftlichen Lebens unter den Mitgliedern 

Jedes eintretende Mitglied hatte eine Eintrittsgebühr von Fr. 15.- zu bezahlen. Im Übrigen mussten zur Finanzierung des Vereins monatliche Beiträge von fünfzig Rappen erhoben werden. Der Ankauf der nötigen Instrumente erforderte damals die Aufnahme eines Darlehens von Fr. 450.-. Aus diesem Startkapital wurden 8 Instrumente bei der Firma Michl & Sohn, Graslitz (Böhmen) zu einem Preise von Fr. 428.95 angeschafft. 

Unter der Stabführung von Ernst Kaiser aus Murg wurden die ersten Proben seit der Gründung abgehalten. Bereits am 2. November 1902 übernahm Max Fischli, Murg, den Verein und wirkte als Dirigent bis 26. Januar 1907. Die Wahl eines neuen, "einheimischen" Dirigenten fiel, am 26.1.1907 auf Lehrer Oskar Gubser, Zillen, Quarten, welcher jedoch bereits zwei Monate später, d.h. am 19. März 1907, den Vorstand ersuchte, "ihn von der so sehr beanspruchenden Arbeit als Dirigent zu entledigen." 

An der gleichen Versammlung wurde der damalige Vizedirigent Kaspar Ruesch, Oberterzen, zum Dirigenten gewählt, dem alsdann die musikalische Leitung des Vereines während über einem halben Jahrhundert, d. h. bis 26. Februar 1959 obliegen sollte.
 
Der junge Verein bekam bald einen sehr schönen Mitgliederzuwachs und entwickelte sich in den ersten Jahren recht erfreulich. Dies mag aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass der Weg unserer Musikgesellschaft mit Steinen gepflastert war und dass der in den Statuten dargelegte Idealismus noch auf sehr schwankenden Füssen stand. Der damalige Aktuar Georg Schrepfer notierte im Protokoll der Versammlung vom 15. August 1905: 

1. Es ist der Antrag gestellt, ob die Musikgesellschaft sich auflösen soll oder ob sie weiterbestehen soll. 
2. Es wird das Letztere beschlossen. 

Um den Mitgliedern ihre Pflichten wieder etwas in Erinnerung zu rufen, wurde am 14. März 1908 beschlossen, die Statuten zu revidieren und in Kraft treten zu lassen. Insbesondere wurde von den Mitgliedern eine vermehrte Disziplin gefordert. So sollten unentschuldigtes Ausbleiben bei Übungen mit 30 Rappen, bei Verhandlungen mit 50 Rappen und bei einem "Auszuge" mit Fr. 3.- gebüsst werden. Mitglieder, welche sich "unehrenhaften Handlungen und ungehorsamen Benehmens" schuldig machten, konnten von der Gesellschaft mit Fr. 2.- bis Fr. 10.- bestraft oder ausgeschlossen werden. 

Als Entschuldigungsgründe von der Probenarbeit wurden lediglich anerkannt: "eigene Krankheit, Militärdienst, Trauerfälle, Hochzeits- und Taufanlässe in der eigenen Familie". So streng waren die Regeln, denen sich die damaligen Musikanten beugen mussten. Der Dirigent wurde ebenfalls zu einer Busse von einem Franken verknurrt, wenn er die auf den Samstag angelegten Proben nicht besuchte. 

Die Konzerttätigkeit war in jenen Jahren sehr gering. So war es ein Ereignis, wenn damals die Musikgesellschaft öffentlich auftrat. Nicht umsonst wurde im Jahre 1909 feierlich beschlossen, "an Ostern ein Konzert abzuhalten und mit grossem Eifer wieder fortzubestehen". 

Rückblickend mutet der Beschluss des Vereins aus dem Jahre 1911 etwas komisch an: "es möchte jedem Passisten ein Franken an das Putzmaterial geleistet werden." 

Für den grösser werdenden Verein mussten wieder neue Musikinstrumente besorgt werden. Bereits 1907 wurde beschlossen, es sei ein neues Althorn anzuschaffen; dies damals zu einem Preise von Fr. 104.-. 
Erstmals seit dem Bestehen konzertierte die Musikgesellschaft an Weihnachten 1913 im Saale zur Blumenau in Unterterzen. 
Interessanterweise fand bereits im Jahre 1913 eine erneute Revision der Statuten statt und zwar diesmal unter dem Namen "Musikgesellschaft Oberterzen". Welche Gründe für die Namensänderung von der bisherigen Bezeichnung "Musikgesellschaft Walensee" in den neuen Namen "Musikgesellschaft Oberterzen" massgebend gewesen sein mögen, ist heute nicht mehr bekannt. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass Differenzen im Verein auftraten oder noch wahrscheinlicher ist es, dass die Mitgliederanzahl aus Oberterzen den Ausschlag dazu gab. In der Tat wohnten von den damals 28 Mitgliedern deren 22 in Oberterzen. 

Aus den Kriegsjahren 1914/18 liegen kaum Aufzeichnungen vor. So weit als möglich wurde der Probenbetrieb aufrecht erhalten, doch hatte der Verein durch viele kriegsbedingte Absenzen empfindlich Rückschläge zu erleiden. Am Ende des ersten Weltkrieges gesellten sich auch noch finanzielle Schwierigkeiten dazu. Aus diesem Grund wurde der Passivbeitrag von Fr. 2.- auf Fr. 3.- erhöht. 

Ferner musste für die Anschaffung neuer Instrumente dem finanziellen Sektor des Vereins das gehörige Augenmerk geschenkt werden. Der Dirigent wurde 1920 beauftragt, "nach Schmerikon zu gehen und die dortigen Instrumente zu besichtigen". Ins gleiche Jahr fiel der Beschluss der Musikgesellschaft, "aus Österreich ca. 15 Stück verschiedene Instrumente zu kaufen". Der erforderliche Kredit von Fr. 1500.- wurde erteilt; dieser Betrag konnte jedoch bei weitem nicht aus eigenen Mitteln erbracht werden und nur dank dem Entgegenkommen eines grossen Gönners wurde es schliesslich möglich, mittels Darlehen die Restfinanzierung zu sichern. Die Bestellung der Instrumente ging an Herrn Anton Hüller, "königl. kaiserlicher Instrumentenbauer", Graslitz (Böhmen). Jedes Mitglied verpflichtete sich, im Falle des Zusammenbruches des Verein persönlich zur Rückzahlung des Darlehens bis zur Tilgung der Schuld. Diese Bedingung galt auch für Mitglieder, die vor der gänzlichen Abzahlung der Schuld aus der Musikgesellschaft austraten. Am 7. November 1920 zahlte der Kassier "laut Beleg für die neuen Horn" den Betrag von Fr. 1641.50 "samt Verpackung, Zoll und Fracht" an den Lieferanten Anton Hüller. 

Im Jahre 1921 wurde "die Besorgung einer elektrischen Lampe im Schulhaus (Oberterzen) dem Komitee überlassen". Bis dahin wurde immer mit Öl-Lampen geprobt. So verstehen sich auch die Posten z.B. aus dem Jahre 1902 "für 4 Liter Öl Fr. 1.20" oder im Jahre 1913 "für 6 Lit. Öl a 25 Rap. Fr. 1.50". 

In einer andern Beziehung scheinen die damaligen Musikanten trotz mangelnder Elektrizität fortschrittlicher gewesen zu sein als unsere Musikantengeneration. Es war anno dannzumal offensichtlich Mode, während den anstrengenden Proben, im Besonderen in den Sommermonaten, einen kühlen Trunk zu genehmigen. Von 1905 an bis in die Nachkriegsjahre des ersten Weltkrieges erscheinen in den Jahresrechnungen fortwährend Posten wie: "für 3 Liter Wein Fr. 3.60" oder "für 4 Liter Most Fr. 1.-". Indessen schien das weibliche Geschlecht alkoholischen Genüssen abhold gewesen zu sein, wurde doch am 15. Juni 1922 anlässlich eines Ausfluges nach Quinten und Murg verbucht, "an den eingeladenen Mädchen in der Brauerei Murg für Sirup und Limonade Fr. 2.20." 

Die Jahre zwischen 1923 und 1928 waren geprägt durch eine innere Festigung sowie durch einen erfreulichen Mitgliederzuwachs. Wesentliches ist während dieser Jahre nicht passiert; es wurde geprobt und es wurden Fortschritte erzielt. Erwähnenswert ist vielleicht der Beschluss vom 12. März 1924, wonach die "Übungen so verteilt werden sollen, dass jeden Monat, sofern Proben stattfinden, je eine Übung nach Quarten und Unterterzen zu verlegen ist, die übrigen aber in Oberterzen abzuhalten sind." 

Am 14. Mai 1924 wurde der Beitritt zum kantonalen Musikverband grundsätzlich bejaht. Wann der definitive Beitritt zu diesem Verein indessen definitiv erfolgte, kann anhand der Aufzeichnungen nicht eruiert werden. 
Auf das Jahr 1927 fiel die Gründung einer Reisekasse der Musikgesellschaft Walensee; diese wurde jedoch bereits 2 Jahre später, d.h. am 9. März 1929, offenbar infolge mangelnder "Substanz", wieder aufgelöst. 
1928 wurde der Verein einmal mehr auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Es stand damals der miserable Probenbesuch zur Diskussion, welcher schliesslich in einer Grundsatzabstimmung über den Weiterbestand gipfelte. In der Folge verliessen auf einen Schlag 6 Mitglieder den Verein. 

Sehr erfreulich war im Jahre 1930 der Eintritt von 12 neuen Mitgliedern. So konnte die Musikgesellschaft Walensee-Quarten in diesem Jahr das Musikfest in Vilters mit einer Rekord-Mitgliederzahl von 37 Musikanten besuchen. 
Die Tilgung des im Jahre 1920 aufgenommenen Darlehens machte dem Verein immer und immer wieder zu schaffen; erst 1932 konnte dies, zuletzt mit dem Griff in den eigenen Geldsack eines jeden Musikanten, bewerkstelligt werden. 
Auf das Jahr 1931 fiel erstmals der Beschluss, anlässlich eines Konzertes eine Tombola durchzuführen. Im Protokoll wurde darüber vermerkt: 

"Herrn Sonderegger, Landjeger, hat dem Komitee den Standpunkt aus eigener Erfahrung auf alle Einzelheiten abgeklärt und stellt sich freiwillig zum Einkauf von passenden Gaben für den Gabentisch, sofern ihm vom Kommando in St. Gallen ein Frei-Tag bewilligt wird . 

An anderer Stelle ist festgehalten: 
"Herr Sonderegger erklärt sich bereit, mit einem Kommissionsmitglied nach Zürich zu fahren, um in der EPA billige Gegenstände für die Tombola einzukaufen."

Während sich der Verein über die Krisenjahre noch recht gut halten konnte, überschattete der zweite Weltkrieg ab 1939 das Vereinsleben. Einen Eindruck aus der damals schwierigen Situation mag nachstehendes Zitat aus dem Protokoll vom 28.1.1940 geben: 
Trakt. 2: "Wollen wir eine Musikgesellschaft sein oder nicht? Nach reger Diskussion über diesen längst wunden Punkt wurde beschlossen, die Gesellschaft weiterhin zu führen, ist es doch der erste Verein."
Die Schwierigkeiten mit dem Probenbesuch und mit der stark reduzierten Musikantenzahl zufolge Aktivdienstes begleiteten die Musikgesellschaft wie ein roter Faden durch den 2. Weltkrieg. 

Die Moral war auf den Nullpunkt heruntergesunken und zudem gipfelte die schlechte finanzielle Situation darin, dass der Dirigent schliesslich auf sein Gehalt verzichtete. Der vom damaligen Präsidenten Hans Manhart oft ausgesprochene Wahlspruch "Zämä hebä" schien dann aber gegen Ende des Krieges seine Wirkung doch nicht zu verfehlen. 

Im Jahre 1946 wurde die Reisekasse der Musikgesellschaft neu gegründet. Seither ist jede einzelne Reise nicht etwa aus der Vereinskasse, sondern aus den Reisekassebeiträgen der Aktivmitglieder berappt worden. 

Die Anschaffung der ersten Uniform des Vereines geht auf das Jahr 1949 zurück. Es handelte sich um eine Occasionsuniform, welche vom Musikverein Winterthur um den Preis von Fr. 1640.75 erworben wurde. Doch bald zeigten sich schwere Abnützungserscheinungen. Ausserdem passten die gekauften Anzüge nicht gut. Viele waren zu eng und die Hosen zu kurz. Aus diesem Grunde drängte sich ein Neuuniformierung auf. 

Am 25. Juli 1954 war es dann so weit. Die feldgraue Uniform konnte ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Freude über jenes Ereignis kommt wohl erst heute in den rührenden Worten des damaligen Präsidenten Alfred Sutter zur Geltung. 
"Der 25. Juli war unser grosser Tag, die Uniformweihe. Es soll mir einer sagen, er habe nicht mit Stolz die neue, schmucke Uniform zur Schau getragen. War es nicht als ob jeder doppelt so viel zu leisten im Stande gewesen sei in dieser Aufmachung? Jedenfalls haben wir unser Pensum an Musik an jenem Tag erfüllt. Mancher Schweisstropfen machte auf der Bühne mit unserer Uniform die erste Bekanntschaft. Glaubt mir, liebe Kameraden, ich war den Tränen nahe, als ich auf der Bühne dem Kantonalpräsident, Herrn Schmid, die Hand reichen konnte und ihm sagte: Herr Präsident, der Kampf war hart, aber der Sieg ist unser." 

Weitere Höhepunkte bildeten die Vereinsreisen nach Luzern, Konstanz, Brienz und in den Jura, sowie die verschiedenen Bungertfeste in den Fünfzigerjahren. 

An der Hauptversammlung vom 26. Februar 1959 legte der im 73. Lebensjahr stehende Kaspar Ruesch sen. den Dirigentenstab nach 52-jähriger Tätigkeit als Dirigent und 57 Jahren Aktivmitgliedschaft in die Hände seines Nachfolgers. Als neuer Dirigent wurde Kaspar Ruesch jun., Oberterzen, an gleichem Datum ernannt. 

Dem rührigen Verein fehlte aber immer noch ein Vereinsbanner. Nach langen und intensiven Vorbereitungsarbeiten ging das Fest am 7. Juni 1964 zusammen mit der Fahnenweihe der Feldschützengesellschaft Unterterzen über die Bühne. Zum seltenen Ereignis einer Bannerweihe bemerkte der Aktuar im Separatprotokoll: 

"Die Samstagabendunterhaltung konnte bei günstiger Witterung durchgeführt werden. Um 01.00 Uhr war Schluss. Als Patensektion stand uns die Musikgesellschaft Mols bei. Mitwirkende Gastvereine waren: Harmoniemusik "Alpenrose", Murg, Musikgesellschaft Weesen, Musikgesellschaft "Konkordia", Walenstadt. 

Bei starkem Regen, Blitz und Donnerschlag mussten wir leider schon um 21.00 Uhr das Fest in den Blumenausaal verlegen, was uns finanziell grosser Schaden war. Als Fahnengotte waltete Frau Walser Ruth, Freieck; als Fahnengötti Herr Josef Gubser, Uhrmacher, Walenstadt." 

Am 16. September 1964 wurde der langjährige Dirigent und Ehrendirigent Kaspar Ruesch sen., unter den Klängen des Ordonnanztrauermarsches zur letzten Ruhe auf dem Friedhof in Quarten gebettet. 
Im Jahre 1969 wurde an der Hauptversammlung der Antrag gestellt, eine Guggenmusik aufzustellen und am Fasnachtsmontag jeweils öffentlich aufzutreten. Dieser Antrag wurde gutgeheissen und während vielen Jahren zog von nun an die Musikgesellschaft am Fasnachtsmontag durch die Dörfer der Gemeinde. Daraus entwickelte sich in den späteren Jahren die heutige Guggenbänd Muh, die nun jeweils während der ganzen Fasnachtszeit in der näheren und auch weiteren Umgebung sehr aktiv ist. 

Bis 1970 war die Musikgesellschaft Walensee eine reine Männerdomäne. Das belegt folgender Protokollausschnitt:
"Aus der Versammlung wird die Frage aufgeworfen, ob wir überhaupt gewillt seien, Mädchen oder Töchter in die Musikgesellschaft aufzunehmen. Der Dirigent und einige Mitglieder zeigen sich nicht abgeneigt, wogegen andere Mitglieder wieder stark dagegen sind. Es wird vorläufig noch kein Beschluss gefasst, jedoch darauf hingewiesen, dass dieses Problem in nächster Zeit ernstlich an die Hand genommen werden muss."

Am 20. März 1971 war es dann tatsächlich so weit. Mit Walser Jeanette, Bless Claire und Meier Erika wurden die ersten Damen ehrenvoll in den Verein aufgenommen. Ob die drei Austritte, die der Verein gleichzeitig zu verzeichnen hatte, damit etwas zu tun hatten, konnte nicht mehr eruiert werden.

Einen Höhepunkt und grossen Erfolg konnte die Musikgesellschaft Walensee anlässlich der Neuuniformierung vom 30. August 1970 ernten. Dieser Anlass dürfte noch manchem Musikanten und vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in bester Erinnerung sein. Nur dank dem harten Einsatz jedes einzelnen Mitgliedes, den vielen Helferinnen und Helfern ausserhalb des Vereins, der Grosszügigkeit von Gemeinden, Korporationen, Banken, Industrie- und Gewerbebetrieben und vielen privaten Gönnerinnen und Gönnern war es möglich, im darauffolgenden Jahr das ganze Musikcorps mit einheitlichen Instrumenten auszurüsten. 
Seit der ersten Kontaktnahme mit dem Musikverein Christazhofen im Allgäu im Jahre 1970 verbinden uns mit den deutschen Kameraden freundschaftliche Banden, die auch heute immer noch unvermindert bestehen und die schon mehrmals zu gegenseitigen Besuchen führten. Begründer dieser anhaltenden Freundschaft ist der im Januar 1977 in Unterterzen verunfallte Pfarrer Alois Anthamatten, Pater Wisi, der in der Zeit zwischen 1954 bis 1965 als Vikar in der kath. Kirchgemeinde Quarten und nachher im Allgäu als Pfarrer in den Kirchgemeinden Christazhofen, Merazhofen und Enkenhofen seelsorgerisch wirkte. Leider ereilte ihn am 21. Januar 1977 im kant. Krankenhaus Walenstadt der Tod als Folge des tragischen Unfalles, den er drei Wochen vorher erlitten hatte.

Um die Vereinskasse etwas aufzubessern, wurde im Jahre 1978 erstmals ein Seefest auf die Beine gestellt. Der Erfolg blieb nicht aus und so wurde dieses Fest zu einem beliebten, traditionellen Anlass, der je nach Witterung mehr oder weniger erfolgreich war. Diese Wetterabhängigkeit kommt auch in einem Jahresbericht des Präsidenten klar zum Ausdruck. Er schrieb: "Das Fest begann sehr verheissungsvoll. Doch nach unserem Kurzkonzert begann es leider zu regnen. Die Besucher trotzten noch eine Weile mit Regenschirmen, doch dann verzogen sie sich. Es gab dann ein kleineres Fest in der Hafenbar." Um etwas weniger vom Wetterglück abhängig zu sein, wurde im Jahre 1999 das ursprüngliche Seefest zu einem Dorffest umgestaltet, das nun abwechslungsweise in den Dörfern Oberterzen, Quarten und Unterterzen durchgeführt wird. 

Zu Beginn der Achtzigerjahre musste eine weitere Neuuniformierung ins Auge gefasst werden. Die Uniformweihe vom 29. - 31. Juli 1983, für die ein grosses Festzelt aufgestellt wurde, ging als weiterer Höhepunkt in die Vereinsgeschichte der Musikgesellschaft ein. Der Aktuar hielt im Protokoll fest: "Beim Rückblick auf die Uniformweihe wird allgemeiner Zufriedenheit Ausdruck gegeben. Die Uniform hat bei der Bevölkerung guten Anklang gefunden und die Musikgesellschaft kann auch in finanzieller Hinsicht sehr zufrieden sein."

An der Hauptversammlung 1984 konnte der Dirigent Kaspar Ruesch für seine 25-jährige musikalische Leitung des Vereins mit dem "goldenen Dirigentenstab" geehrt werden. 1988 wurde Kaspar Ruesch für seine grossen Verdienste zum Ehrendirigenten ernannt. Sein Einsatz und seine Verantwortung dem Verein gegenüber waren ausserordentlich gross, gab es doch bisher noch keine Kommission, die bei der Auswahl der Musikstücke mithalf und mitbestimmte. Die erste Musikkommission wurde erst an der Hauptversammlung 1985 mit den Mitgliedern Kaspar Ruesch, Rolf Ruesch, Ruedi Pfiffner und Balz Gubser auf die Beine gestellt.
Einmalige, unvergessliche Feste erlebte die Musikgesellschaft bei den verschiedenen Barbarafeiern im Zusammenhang mit dem Bau der N3. Die letzte Barbarafeier fand am 4. Dezember 1985 statt und auch das Tunnelfest vom 2. Juli 1986 wird allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben. - Diese Feiern, sowie weitere gesellige Anlässe und vor allem auch die verschiedenen Vereinsreisen waren kleine, aber für den Zusammenhalt ganz bedeutende Marksteine in der 100-jährigen Geschichte der Musikgesellschaft Walensee.

In der Folge wuchs der Verein, blühte immer mehr auf und erreichte mit 44 Aktivmitgliedern im Jahre 1994 den höchsten je erreichten Mitgliederbestand. 

Dass der Verein fähig ist, auch Grossanlässe zu veranstalten, bewies er mit der tadellosen Organisation und Durchführung der Delegiertenversammlung des Kantonal-Musikverbandes vom 9. November 1996 in der Mehrzweckhalle Blumenau in Unterterzen. 
Am 7. September 1997 durfte der Verein erneut eine Uniformierung durchführen. Eine Neuuniformierung ist für die Musikgesellschaft immer ein ganz spezieller Höhepunkt, zeigt ein solches Fest doch in aller Deutlichkeit die grosse Verbundenheit der Bevölkerung mit dem Verein. Ohne die grosszügige Unterstützung von Gemeinden, Korporationen und der ganzen Bevölkerung wären solche Neueinkleidungen schon aus finanzieller Sicht gar nicht möglich. 

Erstmals in seiner Vereinsgeschichte nahm die Musikgesellschaft Walensee am 30. Mai 1999 am Kantonalen Musikfest teil, fand dieses doch ganz in der Nähe, in Mels, statt. Auch wenn der Erfolg an diesem Musikfest nur mässig war, hat der Verein von der Teilnahme doch viel profitieren und vor allem auch neue Erfahrungen sammeln können. 

Und nun steht die Musikgesellschaft Walensee vor dem denkwürdigen Ereignis einer 100-Jahrfeier. 

Wenn man sich auch nur ein wenig in die Vereinsgeschichte vertieft, stellt man bald einmal fest, dass auch im Vereinsleben Höhepunkte und Tiefschläge oft ganz nahe beieinander liegen. So erlebte auch die Musikgesellschaft Walensee in den verflossenen 100 Jahren nicht nur glanzvolle Zeiten, sondern hatte auch einige Krisen zu überstehen. Das war nur möglich, weil viele kameradschaftliche Erlebnisse den Verein gestärkt und gefestigt haben und weil die Mitglieder den Leitspruch ihrer Vorfahren "Zäme hebe" nie vergessen haben und immer in Ehren hielten. Möge das auch in Zukunft so bleiben!

Allen Aktivmitgliedern, vor allem aber auch jenen Musikantinnen und Musikanten, die nicht mehr unter uns weilen, sowie allen Freunden und Gönnern gebührt aufrichtiger Dank und grosse Anerkennung für die unendlich vielen Stunden, die sie für den Verein aufgeopfert haben. Sie haben uns bewiesen, wozu zäher Durchhaltewillen und viel Opferbereitschaft fähig sind. Sie haben ein Stück Volkskultur gehütet und als Erbe weitergegeben. Sie haben Wesentliches dazu beigetragen, dass die Musikgesellschaft Walensee 100 Jahre heil überstehen konnte.

Die Musikgesellschaft Walensee darf nun guten Mutes und voller Zuversicht die Schwelle zum zweiten Jahrhundert überschreiten, denn sie wird auch weiterhin jene ideal gesinnten Frauen und Männer finden, die das übernommene Erbe hüten und mehren werden. Sie wird Kameradinnen und Kameraden finden, die es verstehen, andere vom hohen Ideal der Musik zu begeistern, die Kameradschaft zu pflegen. 

Ein aufrichtiges Dankeschön gebührt auch dem Vereinskameraden Fredy Gubser, der die Akten zu dieser Zusammenfassung gesucht und die Details aufgelistet hat.

Mögen die Musikgesellschaft Walensee auch im zweiten Jahrhundert ihres Bestehens die hohen Ideale ihrer Vorfahren nicht vergessen und weiterhin mit Freude Musik machen und mit ihrer Musik Freude machen. 

Rolf Ruesch
Paul Diethelm